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                                                          Internationale Architekturbeschreibung
Leinetal bei Einbeck

Leinetal bei Einbeck

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I. Topographie und Einführung

 

I.1 Im Leinetal

 

Göttingen, dessen Renommee als atmosphärenreiche Universitäts- stadt an dasjenige der berühmten süddeutschen Pendants wie Heidel- berg, Freiburg oder Tübingen heranreicht, liegt im südöstlichen Zipfel Niedersachsens und damit Norddeutschlands. Als Niedersachsens südlichster Landkreis gehört es gerade noch dem niederdeutschen Sprachraum an. Und wenn auch nicht mehr in der Stadt selbst, so kann man doch in den umliegenden Dörfern – in Waake vielleicht, in Eber- götzen oder Landolfshausen, in Mackenrode, Potzwenden oder Fal- kenhagen – die älteren Menschen durchaus auch heute noch Platt reden hören. Wenige Kilometer weiter südlich jedoch überschreitet man die Grenze zum hochdeutschen Sprachraum, zum Hessischen oder Nordhessischen genauer gesagt, mit seinem wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum Kassel. Und nach Osten sind es ebenfalls nur zwanzig Kilometer bis zur Landesgrenze von Thüringen, mit ihren heute noch als Schneisen in der Landschaft erkennbaren oder zu Freilicht- museen umgewandelten ehemaligen Grenzanlagen.

          Aus Thüringen kommt auch das eher unscheinbare Flüßchen Leine, in dessen oberem Tal Göttingen liegt. Im thüringischen Leine- felde gleich aus acht Quellen entsprungen, fließt die Leine zuerst in westliche Richtung, durchquert dünn besiedelte Landstriche und das Heilbad Heiligenstadt, knickt dann beim Eintritt ins Niedersächsische, nahe Friedland, nach Norden ab und behält diese Richtung, vorbei nicht nur an der Universitätsstadt Göttingen, sondern im weiteren Verlauf an so malerisch-mittelalterlichen Städten wie Northeim, Einbeck oder Bad Gandersheim, dann mitten durch die Landeshauptstadt Hannover, im wesentlichen bis zur Mündung in die Aller bei, sieht man einmal von ihren unzähligen Windungen und Schleifen ab.

          Das Leinetal ist schon in seinem oberen, südniedersächsischen Teil sehr breit, zugleich aber auch feucht und – wo nicht künstlich trockengelegt – sumpfig. Noch heute haben die Häuser vieler Dörfer, die im Tal liegen, keine Keller. So hat sich denn auch Göttingen, wie die meisten anderen Städte im oberen Leinetal (genannt seien etwa Bovenden, Nörten-Hardenberg oder Hardegsen), nicht in Talmitte entwickelt, direkt am Fluß, sondern in einer Lage am Rande, auf den Ausläufern der seitlich angrenzenden Gebirgszüge, hier des östlich gelegenen, sanft um etwa 200 Meter ansteigenden Göttinger Waldes. Jenseits des Göttinger Waldes beginnt das weit ins Thüringische hineinreichende Eichsfeld, und von den östlichen Spitzen des Waldes aus, der Mackenröder Spitze etwa oder der Seulinger Warte, hat man an klaren Tagen einen wunderbaren Blick bis zum nordöstich gele- genen, etwa 50 Kilometer entfernten Harz. Auf der anderen, der west- lichen Talseite grenzt der dunkle Bramwald das Leinetal vom parallel verlaufenden, aber wesentlich engeren, steileren und windungsrei- cheren Wesertal ab. Etwas weiter nördlich schiebt der ausgedehnte, zum Weserbergland zählende und über weite Strecken urwäldlich be- lassene Solling seine Bergrücken bei Hardegsen bis zum Leinetal vor.

 

 

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