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                                                          Internationale Architekturbeschreibung

St. Petrikirche Göttingen Grone

St Petrikirche Göttingen Grone

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III. Die Burg und Pfalz Grona

 

III.1. Von der Gründung des Wirtschaftshofes zur Kaiserpfalz

 

Auf der westlichen Seite der Leineniederung, gegenüber dem Dorf Gutingi, jenseits der Leinefurt, liegt das Dorf Grone. Unter den Funda- menten seiner Pfarrkirche St. Petri fand man nach systematischen Gra- bungsarbeiten Reste von fünf Vorgängerbauten, deren ältester etwa auf das Jahr 800 zurückgeht, also die Zeit unmittelbar nach der endgül- tigen Eroberung Sachsens durch die Karolinger, und der damit einen der ältesten Kirchenbauten Südniedersachsens darstellt. Diese Kirche gehörte zu einem wahrscheinlich fränkischen, unmittelbar der Reichs- gewalt unterstehenden Wirtschaftshof. Es wird angenommen, daß die- ser Königshof die damals noch mehr frequentierte westliche Leinetal- straße sichern sollte sowie die Leinefurt, den Übergang für die wichtige Ost-West-Fernverbindung von Thüringen nach Westfalen. Aber schon im 9. Jahrhundert muß das Wirtschaftsgut in die Hände der sächsi- schen Liudolfinger – als treuer Reichsgefolgsleute – gelangt sein, wel- che nicht weit entfernt, auf dem Hagenberg, einer zwanzig Meter aus der Leineniederung aufragenden Erhebung, eine Burg, die Burg Grona, errichteten, für die das Gut die wirtschaftliche Grundlage darstellte.

          Der Burgbau der Liudolfinger, der vor dem Jahre 900 abge- schlossen sein muß, fällt in eine Zeit, als sich der Niedergang der karo- lingisch-fränkischen Vormachtstellung im germanischen Raum abzeich- nete. 843 war das Großreich Karls unter den drei Söhnen Ludwigs des Frommen aufgeteilt worden, der Grundstein war gelegt für die sich nun vertiefende Spaltung in einen sprachlich romanischen, westfränkischen Machtbereich, der bald zu „Frankreich“ werden sollte, und einen ger- manischen, ostfränkischen Raum, für den später die Bezeichnung „Deutschland“ entstand. 911 starb Ludwig das Kind, der letzte karo- lingische König des Ostreichs. Das entstehende Machtvakuum bot für die deutschen Stammesfürsten den Anreiz, ihre eigene Position gegen- über der Zentralgewalt zu stärken. In diesem Zusammenhang muß wohl auch der Bau der Burg Grona gesehen werden. Zwar wurde von der Versammlung der deutschen Fürsten 911 mit Konrad I. noch einmal ein Franke zum König gewählt, doch insbesondere der sächsische Herzog und Liudolfinger Heinrich forderte den König immer wieder heraus. 915 gelang es ihm, König Konrad von seiner Burg Grona aus zu trotzen, auf die er sich nach einer Aggression zurückgezogen hatte, und die der König vergeblich belagerte. Vier Jahre später, anno 919, kurz vor seinem Tode, ließ Konrad die königlichen Insignien dem Sachsenherzog überbringen, in Anbetracht der wahren Machtlage. Kaum mehr als hundert Jahre nach der Eroberung Sachsens durch die Franken hatten sich nun die Herrschaftsverhältnisse vertauscht. Der Liudolfinger Heinrich war als Heinrich I. deutscher König geworden.

          Die Burg Grona wird in den folgenden Jahrzehnten zur Königs- pfalz erhoben und später, mit der Kaiserkrönung Ottos I. 962 in Rom, zur Kaiserpfalz. Wenn sie auch niemals so bedeutend war wie etwa die sächsischen Königs- und Kaiserpfalzen Allstedt, Merseburg oder Gos- lar, so wurde sie doch von den folgenden Kaisern Otto II., Otto III. und Heinrich II. häufig frequentiert und erlebte eine fünfzig Jahre währende Glanzzeit, die erst mit dem Tode Heinrichs des II., des Urenkels Heinrichs des I. und letzten Ottonen, endete, der sich, schwer erkrankt, auf die Pfalz Grona zurückzog, wo er kurz darauf, am 13. Juli 1024, verstarb und den Weg frei machte für den ersten Salierkaiser.

 

 

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